Auf der Suche nach der eigenen Identität
Im Rahmen der bestehenden Kooperation mit dem Theater Hof konnten wir auf Initiative von OStRin Kleen und StD Lang und unterstützt durch die Schulleitung Anfang Februar eine Delegation des Jungen Theaters Hof zu einer besonderen Doppelstunde im Fach Deutsch für unsere beiden 12. Klassen des Sozialzweiges begrüßen. Zunächst als Infoveranstaltung zur Deutsch-Abschlussprüfung getarnt und anmoderiert, wurden die Schülerinnen und Schüler mit Eva Rottmanns Klassenzimmerstück "Paul*" überrascht und spontan mit dem spannenden Thema der Geschlechteridentität und seiner gesellschaftlichen Relevanz konfrontiert.
In dem Ein-Personen-Stück geht es um Chris (vortrefflich gespielt von Etienne Moussou), der eines Tages feststellen muss, dass sich seine Lebenspartnerin zunehmend als Mann fühlt und sie deshalb zunächst verstößt. Diese Entscheidung bereut er jedoch schnell und er lässt sich angeblich auf eine Wette ein, um ihr (ihm?) seine Liebe zu beweisen: Er muss vor einer Schulklasse in das Outfit einer Frau schlüpfen und sich so präsentieren. Während er sich vor den jungen Leuten schminkt und zurecht macht, schildert Chris seine Beweggründe und Gefühle und fordert von den Anwesenden auch immer wieder aktive Hilfe bei der optischen Transformation zur Frau ein.
Beim anschließenden pädagogisch-didaktischen Nachgespräch reichte die verbleibende Zeit kaum aus, um den zahlreichen Fragen und Gesprächsimpulsen des Auditoriums gerecht zu werden. Hauptdarsteller Etienne Moussou lieferte sehr interessante Einblicke in die Produktion, Umsetzung und die besonderen schauspielerischen Anforderungen eines solchen Ein-Personen-Stücks. Zudem stand Rahel Westerhoff von Queerlife Hof e. V. auf eine offene und sehr persönliche Art Rede und Antwort und trug maßgeblich dazu bei, das Dargebotene zu vertiefen und die Situation queerer Menschen zu enttabuisieren. Die Besucher lobten hinterher die Veranstaltung als wertvollen kulturellen Zwischenruf für mehr Offenheit und Toleranz in der Gesellschaft. Viele von ihnen betonten, nun einen ganz anderen Blickwinkel auf diese Thematik erhalten zu haben.
Im Nachgang der Veranstaltung äußerten sich unsere Gäste auf Instagram ebenfalls sehr positiv:
"Nachdem wir im November 2024 Premiere hatten und „Paul*“ weit über eine Spielzeit im Studio und in vielen Klassenzimmern in Stadt und Landkreis Hof spielen durften, haben wir nun schweren Herzens die letzte Vorstellung gegeben.
Die Dernière führte uns an die Staatliche Fachoberschule und Berufsoberschule Hof, wo wir vor zwei sehr aufmerksamen Klassen spielen durften. Die vielen optischen Verwandlungen und die wichtige Thematik des Stücks werden uns immer in besonderer Erinnerung bleiben.
Wir freuen uns sehr über das wertschätzende Feedback des begleitenden Lehrers Alexander Lang, der uns rückmeldete, wie gewinnbringend und sensibel die Aktion für die Schülerinnen und Schüler war. Die vielen Nachfragen im Nachgespräch zeigten, dass das Stück wirklich etwas bewegt hat – das freut uns natürlich sehr und ist für uns der größte Dank.
Ein herzlicher Dank geht auch an Rahel Westerhoff von Queerlife Hof e. V. für die großartige Unterstützung, die einfühlsame Moderation der vielen Nachgespräche und die wertvollen Informationen aus erster Hand."
In ihrem Profilfach Pädagogik/Psychologie konnten die beiden Klassen anschließend das Gesehene auch fachlich vertiefen und mit den gegebenen Lehrplanbezügen weiter vernetzen.